Haushalte verschwenden leichtfertig Strom


Aktuelle Studien belegen: Ein sorgsamer Umgang mit Energie würde zahlreiche Atomkraftwerke überflüssig machen. Nicht nur durch Stand-by-Geräte wird viel Strom vergeudet. Obwohl es sich vielfach rechnet, ist Energiesparen in Deutschland kaum ein Thema.

Mancher Einkauf wird erst im Nachhinein teuer. Ein Elektrogerät etwa: Um durchschnittlich 229 Kilowattstunden im Jahr erhöht jedes zusätzliche Gerät den Stromverbrauch eines Haushalts – es schlägt folglich mit mehr als drei Euro in der monatlichen Stromrechnung zu Buche. Zugegeben: Dieser Betrag ist ein statistischer Mittelwert. In der Realität hängt der Mehrverbrauch natürlich stark von der Art und vom Einsatz des betreffenden Gerätes ab. An der Aussagekraft des Durchschnittswerts ändert das allerdings nichts.
Diese und zahlreiche weitere Daten über Energieverbrauch und -verschwendung in deutschen Haushalten dokumentiert eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe. Gut 20 000 Haushalte wurden für die Studie zu ihrer Geräteausstattung und ihren Gewohnheiten befragt. Danach verbraucht der mittlere Haushalt heute 3340 Kilowattstunden Strom im Jahr. 89 Prozent aller Haushalte besitzen einen Elektroherd, 40 Prozent einen Wäschetrockner, und es verfügt jeder Haushalt über durchschnittlich 25 Lampen, wovon – statistisch gesehen – 3,6 Energiesparlampen sind. Verbrauchssteigernd wirkt sich auch aus, dass Singles wie Familien immer großzügiger wohnen: Mit jedem Quadratmeter zusätzlicher Wohnfläche nimmt der Stromkonsum um durchschnittlich neun Kilowattstunden im Jahr zu.

Besonders jene Geräte die ständig in Betrieb sind, machen sich bei den Stromkosten stark bemerkbar. Eine wesentliche Entscheidung über die künftige Stromrechnung fällt somit beim Kauf der Geräte: Die stets ausgewiesenen Effizienzklassen A (gut) bis G (schlecht) dokumentieren, ob die Produkte vernünftig mit Energie umgehen. Doch Vorsicht: Da die Klassifizierung durch den technischen Fortschritt schon überholt wurde, gibt es für Kühlschränke zum Beispiel bereits die Klassen „A+“ und sogar „A++“. Ein Kühlschrank mit Klasse „A“ ist damit schon längst kein Spitzenprodukt mehr. Das Einsparpotenzial in den Haushalten ist riesig. Selbst wenn man nur jene Kühlschränke betrachtet, deren Austausch durch ein sparsameres Modell auch wirtschaftlich attraktiv ist, ließe sich in Deutschland der Stromverbrauch durch Kühlgeräte um die Hälfte reduzieren, wie das ISI ermittelt hat. Damit könnten rund zehn Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr gespart werden. Das ist immerhin fast halb so viel, wie in Deutschland in allen Wasserkraftwerken zusammen erzeugt wird.

Wie sehr der Kauf von Geräten den Grundstein für die Energie- und Klimabilanz eines Haushaltes legt, zeigt auch der heimische Herd. So erzeugt der Elektroherd glatt die doppelte Menge an Kohlendioxid wie der Gasherd. Würden alle Haushalte hier zu Lande sparsame Kochgeräte, Waschmaschinen und Unterhaltungselektronik benutzen, könnten bis zu 50 Milliarden Kilowattstunden eingespart werden. Das ist so viel, wie derzeit mit allen Erneuerbaren Energien zusammen erzeugen wird; oder auch die Produktion von etwa sechs Atomkraftwerken.

Alleine der Stand-by-Verbrauch elektrischer Geräte in Deutschland zieht im Jahresmittel die volle Leistung von zwei Atomkraftwerken. Und er kostet nebenbei auch viel Geld: Die Initiative Energie-Effizienz, eine Aktion der Deutschen Energieagentur (Dena) mit Partnern der Energiewirtschaft, errechnete für einen durchschnittlichen Haushalt Stromkosten von 70 Euro im Jahr, die alleine durch Stand-by-Geräte anfallen. Der Fernseher kommt dabei auf bis zu zehn Euro, die HiFi-Anlage gar auf 20, der Personal Computer auf fünf und das Videogerät auf sieben Euro im Jahr.

Kreativ, wie die Dena ist, rechnete sie Anfang Juli aus aktuellem Anlass den Stand-by-Verbrauch in Deutschland vor: Die Leerlaufverluste von nur drei Durchschnittshaushalten lägen im Jahr so hoch wie der Energieverbrauch aller Tour-de-France-Radler zusammen während einer Etappe – dass das eine ganze Menge ist, kann man sich ausmalen. Daher rät die Dena, speziell bei längerer Abwesenheit – etwa vor dem Urlaub – alle Netzstecker zu ziehen. Die Bundesbürger könnten so 170 Millionen Euro Stromkosten jährlich sparen.

Bemerkenswert ist die jüngste Studie der Karlsruher Forscher auch im Hinblick auf den Wärmeverbrauch. Denn sie belegt, dass die immer wieder verschärften Wärmeschutzanforderungen in den vergangenen Jahrzehnten bei weitem nicht den erwarteten Erfolg brachten. In den Neubauten, die auf dem Papier extrem sparsam sind, würde ein Teil der erwarteten Ersparnis durch mangelhafte Bauausführung, ein anderer Teil durch Energieverschwendung der Bewohner zunichte gemacht.

Zum Beispiel durch falsches Lüften. „Fast die Hälfte der deutschen Haushalte verpulvert über stundenlang gekippte Fenster unnötig Heizenergie“, sagt Studienleiterin Barbara Schlomann vom ISI. Auch überheizte Räume lassen natürlich den Verbrauch empor schnellen – jedes Grad mehr im Wohnzimmer erhöhe die Heizkostenrechnung um drei Prozent, so die Wissenschaftlerin. Wer nun – wie einige der Befragten – sein Wohnzimmer im Winter auf 25 Grad, und selbst sein Schlafzimmer auf 22 Grad aufheizt, braucht sich anschließend über absurd hohe Nebenkosten nicht mehr zu wundern. Im Mittel heizen die Deutschen ihr Wohnzimmer im Winter auf nicht gerade niedrige 21,2 Grad auf – auch das war ein Ergebnis der Befragung.

Auch beim Warmwasser registrierten die Forscher auf massive Verschwendung. So liegt das wirtschaftliche Einsparpotenzial bei der Brauchwassererwärmung im Haushalt bei fast 20 Prozent – unter anderem erzielbar durch bessere Brennertechnik und den Umstieg von Strom auf Gas.

Hohe Investitionen in die Produktion von Strom
wären überflüssig, würde sorgsamer mit Energie umgegangen. Deutschland entpuppt sich als Nation der
Verschwender. Eine FR-Serie beschreibt den Status
quo und zeigt an Beispielen aus Haushalten, Kommunen und Unternehmen, dass es auch anders geht.
Quelle: FR-online.de
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3 Antworten

  1. Ich habe festgestellt, dass viele Menschen gerne den Strom-Versorger wechseln wollen, doch sind sie verunsichert, wie das abläuft.

    Hier oft gestellte Fragen und Antworten zum Thema Strom-Versorger Wechsel:

    Wie lange dauert ein Versorger-Wechsel?

    Die Dauer bis zum abschliessenden Wechsel ist je nach Anbieter unterschiedlich. In der Regel ergibt sich ein Zeitraum von sechs bis zehn Wochen. Die Umstellung erfolgt jeweils zum Monatsanfang. Grundsätzlich ergibt sich für Sie als Konsument keine Änderung – auch brauchen Sie keinen neuen Stromzähler. Die Stromversorgung findet nach wie vor durch den regionalen Stromversorger statt, nur die Einspeisung in das Gesamtnetz wird von dem neuen Versorger ausgeführt. Dafür zahlt der neue Versorger eine Durchleitungsgebühr an den örtlichen Netzbetreiber. Für Sie als Kunde ergibt sich nur eine Änderung: Sie erhalten die Rechnung von einem anderen Unternehmen. Der Vorteil liegt darin, dass diese Rechnung nun deutlich niedriger ausfällt als Ihre alte.

    Stromwechsel – Der größte Irrtum!

    Immer wieder wird der Wechsel des Stromanbieters von den Verbrauchern abgelehnt, da diese fürchten, dass es während des Wechsels zu eventuellen Ausfällen in der Stromversorgung kommen könnte. Generelle Unsicherheit herrscht auch in dem Falle, dass der Stromanbieter seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, beispielsweise bei einer Insolvenz. Wird die Versoirgung in solchen Fällen einfach abgestellt und man sitzt im dunklen?

    Ein klares „Nein !!“ ist die Antwort auf diese Fragen!

    Niemand muss befürchten eines Tages ohne Strom zu sein und auch dauerhafte Stromausfälle wird es nicht geben. Hierbei muss man sich vor Augen führen, dass mit einem Versorgerwechsel lediglich der Anbieter bestimmt wird, der den Strom in das Gesamtnetz einspeist. Die Stromversorgung erfolgt jedoch weiterhin über den örtlichen Stromanbieter. Zum Schutz der Verbraucher wurde das so genannte Stromversorgungsgesetz eingeführt. Laut diesem unterliegen die örtlichen Stromversorger der Verpflichtung, die uneingeschränkte Stromversorgung zu gewährleisten. Dies gilt auch dann, wenn der neue Anbieter seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommt. Man spricht in solchen Fällen von der Ersatzversorgungsphase, die sich über den Zeitraum von drei Monaten erstreckt. Grundsätzlich kann in diesem Zeitraum ein neuer Versorger gewählt werden. Erst nach Ablauf des Zeitraumes entsteht ein automatisches Vertragsverhältnis, wenn kein neuer Strom-Versorger gewählt wurde.

  2. Obwohl das Thema Strom sparen schon lange ausführlich im Internet beschrieben wird, wird noch immer viel zu wenig Strompreise verglichen. Heute ist das schon meist in wenigen Minuten erledigt und auch der eigentliche Stromanbieter wechsel ist meist innerhalb weniger Tage abgeschlossen. Bei einem Sparpotenzial von bis zu 20 % sollte doch jeder einen kostenlosen Strompreisvergleich erstellen.

  3. Kann meinen Vorrednern nur zustimmen. Ein Stromanbieterwechsel ist wichtig, aber vorher sollte man sich genau informieren, weil es mMn auch einige unseriöse Anbieter gibt. Genauso wichtig ist es auf sparsame Technologien zu setzen. So lassen sich durch LED-Leuchtmittel bis zu 90% Stromkosten bei der Beleuchtung einsparen.

    LG Andi

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