Wann der Verbrauchsausweis Sinn macht … (und wen er stört)


Man muss sich immer mal wieder fragen: Wozu dient der Energieausweis?
Als staatlich verordnete Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für frei laufende Berater?
Zur Kundengenerierung für Hersteller aus der Gebäudetechnik?
Oder als Füllstoff für Umsatzsenken in der Bauindustrie?

Eigentlich hat er einen anderen Zweck.
Zuallererst dient er der Information von Mietern oder Immobilienkäufern über den energetischen Zustand des betreffenden Hauses. Er ist also erst einmal ein Instrument, dass den Verbraucherschutz stärkt und Informationen darüber verpflichtend macht, in welcher Größenordnung sich die Energieverbräuche der Immobilie (und somit auch die Nebenkosten) bewegen können. In diesem Zusammenhang ist die Ausweispflicht für Bestandsbauten sicher zu begrüßen…den sie erhöht doch in großem Maße die Transparenz bei Verkaufs- und Vermietungsgeschäften.
Der Energieausweis verfolgt natürlich auch einen weiteren Zweck. Er soll, so Potential besteht, den Hauseigentümer zu Energiesparinvestitionen motivieren.

Wie ist in diesem Zusammenhang der Verbrauchsausweis einzuordnen.
Er ist im Vergleich zum Bedarfsausweis die deutlich preiswertere Variante, insbesondere dann, wenn die Daten zur Berechnung vom Eigentümer selbst geliefert werden. Auf sehr schnellem und günstigem Weg liefert er Informationen zum Energieverbrauch des Hauses. Das ist auch sein großer Vorteil.
Der Nachteil des Verbrauchsausweises ist, dass die historischen Verbrauchswerte auch das individuelle Nutzerverhalten widerspiegeln, das sich mit einem Nutzerwechsel auch ändern kann. Aufgrund der fehlenden Vor-Ort-Beratung sind auch die ausgestellten Modernisierungshinweise eher pauschale Handlungsempfehlungen.
Ist deshalb generell von Verbrauchsausweisen abzuraten?
Nein…denn es gibt eine sehr große Gruppe von Hauseigentümern, für die gerade diese Form des Ausweises gedacht ist….und zwar die Eigentümer, die überhaupt nicht vorhaben, Ihr Haus zu sanieren, weil Ihnen entweder die finanziellen Mittel dazu fehlen oder es technisch gar nicht möglich ist…die aber Ihrer Informationspflicht gegenüber Käufern oder Mietern nachkommen wollen und müssen.
Der Verbrauchsausweis erfüllt für sie bei geringem finanziellen Aufwand alle Anforderungen…und ist aus energetischer Sicht trotzdem nicht sinnvoll…denn er enthält trotzdem Informationen zum möglichen Einsparpotential, die den Eigentümer irgendwann doch dazu bewegen können, in die energetische Verbesserung des Hauses zu investieren.
Der Bedarfsausweis ist vor allem für die Eigentümer interessant, die sowieso bereit und in der Lage sind, ihr Haus energetisch zu modernisieren. Hier sind eine Vor-Ort-Beratung und detaillierte, wirtschaftlich bewertete Modernisierungsempfehlungen gefordert…und der Preis des Ausweises (500-2000€) in diesem Zusammenhang auch gerechtfertigt.
Beide Ausweisarten ergänzen sich also in Hinblick auf die Motivation des Eigentümers.

Trotzdem üben in erster Linie die vor-Ort-beratenden Aussteller massive Kritik an den „billigen Verbrauchsausweisen“… die Interessenslage ist hierbei klar zu erkennen.
Derzeit sind eta 21.000 Aussteller bei der dena gelistet, vermutlich gibt es deutlich mehr berechtigte Aussteller, von denen sich viele nach der Qualifikation in teuren Lehrgängen Hoffnung darauf gemacht haben, mit der Ausstellung von Energieausweisen beim Eigentümer ein gutes Geschäft zu machen.
Nun sind von den Regelungen zum Energieausweis ca. 3 Mio. Bestandsbauten betroffen, d.h. für jeden dena-gelisteten Aussteller bleiben rein statistisch weniger als 150 Ausweise…klingt nicht gerade wie der Jackpot. Da werden preiswerte Alternativen schnell als Bedrohung wahrgenommen, obwohl gerade im Verbrauchsausweis, den viele Hauseigentümer aus der reinen Not wählen (müssen), eine große Chance steckt. Nämlich die, dass der Eigentümer zumindest erkennt, dass er, sobald es die finanziellen Möglichkeiten zulassen, eine energetische Modernisierung vornehmen muss…NACH eingehender Beratung durch den Fachmann.

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5 Antworten

  1. Sehr gute Beiträge in diesem Blog. Eine so kritische Auseinandersetzung mit der Thematik Verbrauchs- und Bedarfsausweis habe ich noch nicht gelesen. Auch wenn ich selbst Artikel geschrieben habe über die Nachteile des Verbrauchsausweises, muss ich Ihnen recht geben und sagen, dass der Verbrauchsausweis durchaus seine Berechtigung hat.
    Ich hoffe es geht weiter so mit diesem Blog und wünsche alles gute und viel Erfolg. In meiner Blogroll ist er schon angekommen.

  2. Danke..ich bin ja froh, dass die Diskussion auch mal in dieser Richtung in Gang kommt. Ich stelle ja beide Ausweise aus und sehe einfach, dass es hierbei völlig unterschiedliche Motivationen gibt. Mit Zwang und dem Schüren von Angst bringt man keinen Hausbesitzer dazu, eine echte Energieberatung zu beauftragen. ich sehe den Verbrauchsausweis als ersten günstigen Einstieg, der vielen Hausbesitzern die Augen öffnen kann.
    Das ganze sollte aber unter maximal möglicher Freiwilligkeit geschehen.
    Im übrigen beruht das mit der Blogroll auf Gegenseitigkeit.

  3. Ich finde es schwierig. Es ist richtig, dass man auf die Intention hinweisen sollte, dass natürlich eine Interessengruppe für den Bedarfsausweis vorhanden ist. Gleichzeitig geht es mir wenige rum die Sicht der Hauseigentümer, sondern um die Sicht der Menschen, die durch den Ausweis informiert werden sollen. Ich sehe da bei den verbrauchsorientierten Ausweisen durchaus die Möglichkeit, gutgläubige Mieter und Käufer zu übertölpeln ohne dabei den Rahmen des gesetzlich Erlaubten zu verlassen. Man kann nun argumentieren, dass dies die Schuld des Gesetzgebers ist. Das hilft aber nicht den Menschen, die dachten, sie bekommen eine energetisch deutlich bessere Immobilie als gedacht.

  4. Frage zum Zitat „Nun sind von den Regelungen zum Energieausweis ca. 3 Mio. Bestandsbauten betroffen..“ Woher kommt diese Zahl?
    Wenn man sich nur die Zahl der Wohngebäude in NRW ansieht (3,6 Mio) und die Anzahl der Wohnungen (8,3 Mio) (Quelle: http://www.lds.nrw.de/statistik/datenangebot/daten/p/r323wohnbestand.html) dann könnte man ins Zweifeln kommen, ob der Markt nicht doch größer ist als die genannten 3 Mio Bestandsbauten. Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass viele Dienstleister der Wohnungswirtschaft einen Verbrauchspass anbieten und nicht im ersten Jahr für alle in Frage kommenden Gebäude ein Ausweis benötigt wird. Müsste der „Markt“ doch wesentlich größer sein.

  5. Es ging ersteinmal um die Anzahl der Bestandsbauten, die von der Ausweispflicht ab 1. Juli betroffen sind. Ich informiere mich aber nochmal über die genauen Zahlen.
    Die Möglichkeit der Täuschung besteht bei beiden Ausweisarten, ich wüsste nicht, warum sie beim Verbrauchsausweis höher sein sollte. Im Gegenteil. Der Mieter kann sich hier die eingegebenen Verbrauchsdaten vom Vermieter nachweisen lassen und das auch relativ einfach nachvollziehen. Diese Möglichkeit sehe ich beim Bedarfsausweis nicht, der viel größere Möglichkeiten der Manipulation bietet, mal kriminelle Energie bei Aussteller und Eigentümer vorausgesetzt.

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